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130 Millionen Frauen sind
nach Schätzungen der WHO von Beschneidungen betroffen. Und jedes
Jahr kommen etwa 2 Millionen dazu. Das sind täglich 6.000 Mädchen.
Durch den Eingriff sterben 5 - 10 %. Weitere 20 % sterben an Spätfolgen.
In Deutschland gibt es nach Schätzungen 20.000 Betroffene Frauen. |
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Geschichte
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| Vermutlich ist der Brauch
viel Jahrtausende alt und wurde bereits am Beginn der Menschheitsgeschichte
durchgeführt. Herodot berichtet im 5. Jh. v. Ch.
von einem solchen Brauch bei den Äthiopiern, Ägyptern, Phöniziern
und Hetitern. Ein griechischer Papyrus (163 v. Ch.)
, der im Britischen Museum aufbewahrt wird, erzählt von der Beschneidung
heiratsfähiger Mädchen. Und auch Strabo erwähnt
25 v. Ch. einen Brauch in Ägypten, der an Frauen höherer
Kaste vor der Ehe vollzogen wird. Aus dem Römischen Reich
wissen wir von zugenähten Sklavinnen, mit denen auf dem Markt
ein höherer Wert erzielt werden konnte, da ihre Arbeitskraft
nicht durch eine Schwangerschaft gefährdet war. |
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| Formen der
Beschneidung |
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Wahrscheinlich
gibt es so viele Formen, wie es Beschneiderinnen gibt. Jede hat ihre
besondere Art. Jede hat ihr Werkzeug. In Benin werden diese z.B. seit
vielen Generationen von der Mutter auf die Tochter vererbt. Es sind
geheime Instrumente, die niemand sehen darf - kleine angeschleifte
Eisenteile. Anderenorts werden Messer, Rasierklingen, Scheren, Glasscherben
oder auch lange Fingernägel benutzt. Meist finden die Beschneidungen
entfernt von der übrigen Familie in dunklen Räumen oder
Hütten oder auch in Hinterzimmern statt.
Die WHO unterscheidet im Wesentlichen vier verschiedene Formen: |
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| - die Sunna
(arab. Tradition) - bei der Vorhaut der Klitoris berührt oder
entfernt wird. Sie ist äußerst selten und wird auch als
Synonym für die Exzision verwendet. |
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| - die Exzision
oder Klitoridektomie - bei der die Klitoris und die kleinen
Schamlippen entfernt werden |
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| - die pharaonische
Beschneidung mit anschließender Infibulation - bei der
die Klitoris und die kleinen Schamlippen entfernt, die großen
Schamlippen ausgeschabt und manchmal auch Gewebe aus der Vagina entfernt
werden und anschließend die Wunde mit Dornen zusammengesteckt
wird. Nur ein streichholzgroßes Loch zum Abfließen von
Urin und Menstruationsblut soll bleiben. Diese Art macht 15 % aller
Genitalverstümmelungen aus, ist bei Frauen in Somalia, Djibuti
und im Sudan zu 98 % anzutreffen. Die Folgen für die Gesundheit
der betroffenen Frauen und ihrer Kinder sind schwerwiegend. |
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| - die vierte
Form umfasst nach WHO verschiedene weitere Varianten der Beschneidung. |
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| Erklärungen |
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Die häufigste Erklärung ist die der Tradition.
Man tut es, weil man es immer getan hat, ja vielerorts können
sich die Frauen heute noch nicht vorstellen, dass es anders sein
könnte. Sie kennen nur beschnittene Frauen.
Die Religion, die immer wieder als Erklärung
angeführt wird, ist es eigentlich nicht. Beschneidungen kommen
bei Muslimen, Christen, bei Juden und bei Animisten vor. Sie wird
aber weder von der Bibel noch vom Koran verlangt, auch wenn das
von einigen religiösen Führern manchmal so begründet
wird.
Eher sind es tatsächlich ästhetische Gründe.
Ein unbeschnittenes Mädchen kann viele Dinge im Haushalt nicht
verrichten, sie kann z.B. kein Essen für die Männer bereiten.
Sie kann also auch nicht verheiratet werden. Sie fühlt sich
daher unrein, schmutzig. Duch die Beschneidung wird sie rein und
endlich eine "richtige Frau". Und sie glaubt auch, dass
es viel schöner aussieht.
Auch ökonomische Gründe spielen eine Rolle.
Die Familie braucht das Brautgeld für das Kind, dass sie großgezogen
habt. Andererseits ist das Beschneiden ein lukratives Geschäft
von dem die Beschneiderin wiederum ihre gesamte Familie ernährt.
Sie kann dieses Geschäft nicht ohne weiteres aufgeben.
Letztlich geht es aber um die Beschneidung der weiblichen
Sexualität, die nach Meinung vieler Männer um
ein Vielfaches stärker ist, als die ihre. Es geht um die Kontrolle
dieser und um die Gewissheit über die eigene Nachkommenschaft.
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| Beschneiderinnen |
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In den modernen Städten werden Beschneidungen heute oft schon
von medizinischem Personal durchgeführt. Obwohl
dann einerseits minimale hygienische Bedingungen eingehalten werden,
wird auf Grund der angewandten Bestäubung häufig mehr
Gewebe entfernt. In Ägypten werden Beschneidungen in den Hinterzimmern
der Frisierstuben von den Barbieren durchgeführt.
Traditionelle Beschneiderinnen gehören oft einer
bestimmten Kaste oder eines Geheimbundes an. Sie sind dann auch
Trägerinnen einer uralten Kultur. Die Beschneidung ist eingebettet
in eine Initiation, bei der das gesamte Erbe von einer Generation
auf die andere mündlich überliefert wird. Dabei handelt
es sich z.B. um Wissen über die heilende Wirkung von Pflanzen
des Regenwalds, um Wissen über die Vorfahren, um Geschichten,
Mythen und Märchen, die nur so überliefert werden.
In unserem Engagement gegen die Beschneidung begegnen wir diesem
Aspekt mit besonderer Vorsicht.
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| Folgen der
Beschneidung |
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Schon die direkten Folgen sind erheblich - durch die Verletzung
von Arterien und Venen können Blutungen und Kollaps
auftreten, die letztlich zum Tod führen; durch die starken
Schmerzen infolge des Eingriffs ohne Betäubung kommt es oft
zu Angstzuständen und Traumatas.
Häufig treten durch die nichtsterilen Instrumente (mehre Mädchen
werden ohne Säuberung der Instrumente nacheinander beschnitten)
und die traditionellen Wundheilmittel (Asche, Pflanzensäfte)
Infektionen auf. Es kommt zu Unterleibs-entzündungen,
Blutvergiftungen, Teternus, Wundbrand und nicht zuletzt zu AIDS.
Durch die ungünstigen Bedingungen, wie einfachste Instrumente,
schlechte Lichtverhältnisse und dadurch, dass sich die Mädchen
natürlich wehren kommt es häufig zu Verletzungen
von Harnröhre, Scheide, Damm, Mastdarm und es kommt sogar zu
Knochenbrüchen.
Durch den Eingriff sterben letztlich 5 - 10 %.
Unter den Spätfolgen finden sich häufig Schwierigkeiten
beim Urinieren, Harnwegsinfektionen, Inkontinenz, Unterleibsentzündungen,
Unfruchtbarkeit, Zysten, Abszesse, Fisteln und Menstruationsschwierigkeiten.
Durch aufgestautes Blut, dass durch die kleine Öffnung nicht
oder nur schwer abfließen kann, kommt es oft zu starken Schmerzen.
Für den ersten ehelichen Verkehr müssen die Mädchen
vom Ehemann oder einer Hebamme geöffnet werden (Deinfibulation).
Die Wunde kann aber immer wieder zuwachsen und natürlich infiziert
werden. Sexualstörungen sind nicht selten. Große
Gefahr besteht auch bei der Geburt. Das vernarbte Gewebe ist nicht
so dehnbar. Es kann zu Geburtsverzögerungen kommen,
zur Erschöpfung der Frau und zu großen Problemen für
Mutter und Kind. Schließlich muss die Wunde nach der Geburt
wieder verschlossen werden (Reinfibulation).
Außerdem kommt es noch zu einer ganzen Reihe von psychischen
und sozialen Folgen.
20 % der betroffenen Frauen serben an den Spätfolgen. Dabei
werden aber viele der auftretenden Krankheiten vor Ort nicht in
Zusammenhang mit der Beschneidung gebracht.
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| Alter der Kinder
bei der Beschneidung |
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Auf Grund
des wachsenden Drucks der internationalen Öffentlichkeit ist
heute bereits eine starke Tendenz zu einem immer jüngeren Beschneidungsalter
zu beobachten. Häufig werden schon wenige Tage alte Babys beschnitten.
Traditionell gab es große Unterschiede. So war eine Massai
15 oder älter und wurde erst kurz vor der Hochzeit beschnitten.
Zu dieser Zeit konnte sie bereits Mutter sein, was ihre Fruchtbarkeit
hervorhob. Auch bei einigen Stämmen in Westafrika (z.B. Ogbaru)
wurden die Mädchen erst während der ersten Schwangerschaft
beschnitten. Das häufigste Alter fiel ursprünglich mit der
Initiation, dem Übergangsritual zum Erwachsensein, zusammen,
d.h. es lag zwischen 12 und 13 Jahren. In Ostafrika
lag es bei 6 bis 7 Jahren. Aus Abessinien ist bekannt
dass die Sunna im Alter von 8 Tagen vollzogen wurde.
Für die Araber galten einige Wochen als der günstige
Zeitpunkt. |
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| Handlungsmöglichkeiten |
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| Wir sind der
Meinung, dass wir gegen eine uralte Tradition nicht kämpfen können.
Was wir dagegen setzen ist Aufklärung. Wir leisten
direkte Hilfe in betroffenen Ländern in dem wir afrikanische
Frauen und Männer finanziell, technisch, organisatorisch und
moralisch unterstützen und wir betreiben Aufklärung in Deutschland,
weil es auch hier immer mehr Betroffene gibt. |
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Wir, das sind
Organisationen wie:
Forward Germany,
(I)NTACT,
Menschen
für Menschen,
Terre des
Femmes u.a. |
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| Mehr Info zum
Thema |
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| Gute, empfehlenswerte
Materialsammlungen zum Thema finden Sie auf folgenden Webseiten: |
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(I)NTACT Städtegruppe München
www.afroport.de/intact/material.html
Eine Bücher- und Filmliste, (I)NTACT-Material,
Zeitungen und
Zeitschriften zum Download sowie viele Web-Links |
GTZ - Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit
www.gtz.de/fgm/
Material auch über einzelne Länder |
oder Presseartikel über mich
presse.html |
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Abb. von oben
nach unten:
Verbreitung der weiblichen Beschneidung
Männliche Beschneidung auf ägyptischem Papyrus
Beschneidungswerkzeuge aus Benin, 1999 bei rituellen Zeremonie zurückgegeben |
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